Katers Welt.

Aktuelle Markteinschätzung von Dr. Ulrich Kater, Chefsvolkswirt der DekaBank.

Stand: 19. Juni 2026

Notenbanken im Zinserhöhungsmodus.

Aus Sicht der internationalen Wirtschaft war das wichtigste Ereignis der abgelaufenen Handelswoche die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zur Beendigung des Iran-Kriegs. Dies gilt als Voraussetzung für die baldige Öffnung der Straße von Hormus und damit den Beginn der Normalisierung der energetischen Lieferketten. Die Weltwirtschaft hatte zwar aufgrund von Flexibilisierung von Lieferwegen und hohen Lagerbeständen an Rohstoffen die Blockadezeit ohne allzu große Einschränkungen überstanden. Allerdings müssen nun Lager aufgefüllt und Produktionsanlagen repariert werden, um in den kommenden Monaten wieder Normalität am Rohölmarkt einziehen lassen zu können. Mit diesen Perspektiven fiel der Ölpreis unter 80 US-Dollar pro Fass. Diese Normalisierung dürfte auch bei den Verbrauchern ankommen, wenn an den Tankstellen die noch teuer eingekauften Altbestände abgesetzt sind. An den Aktienmärkten war die Erleichterung zwar spürbar, es brach aber keine Euphorie aus. Die Marktteilnehmer hatten eigentlich während der gesamten Kriegsdauer mit einem solchen Ausgang gerechnet. Darüber hinaus bleibt die Region ein Risikogebiet für die Weltwirtschaft, denn von einer längerfristigen Lösung des politischen Dauerkonflikts im Nahen Osten kann keine Rede sein. Der DAX beendete die Handelswoche etwa auf dem Anfangsniveau. US-amerikanische Aktien mussten sogar einen leichten Dämpfer hinnehmen. Ursache hierfür war die erste Tagung des US-Notenbankrates unter dem neuen Präsidenten Kevin Warsh. Sie brachte nicht nur keine Zinssenkung, sondern eher Hinweise darauf, dass die Leitzinsen in den USA in diesem Jahr sogar steigen könnten. Obwohl der neue FED-Chef eine Reihe von Reformen in der Geldpolitik vorbereitet, kann man hieraus nicht ableiten, dass er der US-Regierung nach dem Mund redet. Am wenigsten wirkten sich die zumindest mittelfristigen Friedensperspektiven im Nahen Osten an den Anleihemärkten aus. Die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen sind zwar in den vergangenen zwei Wochen um 0,4 Prozentpunkte gesunken, sie liegen allerdings spürbar über dem Niveau bei Kriegsausbruch Ende Februar.

Die Tagung des US-Notenbankrates brachte nicht nur keine Zinssenkung hervor - sondern eher Hinweise darauf, dass die Leitzinsen in den USA in diesem Jahr sogar steigen könnten.

Dr. Ulrich KaterChefvolkswirt der DekaBank

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