Krieg im Nahen Osten.

Aktuelle Markteinschätzung.

Stand: 06.05.2026

Aktuelle Markteinschätzung zum Krieg im Nahen Osten.

Waffenrufe ist brüchig, doch Friedensgespräche werden fortgeführt.

Die USA und Iran führen ihre Friedensgespräche im Hintergrund fort. Obwohl es nach den vorliegenden Informationen eine inhaltliche Annäherung gibt, ist keine schnelle Einigung zu erwarten. Uneinigkeit besteht insbesondere hinsichtlich der Frage, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, bevor neue direkte Gespräche stattfinden. Es ist bislang nicht erkennbar, dass die steigenden wirtschaftlichen Kosten den Verhandlungsdruck deutlich erhöht hätten. Die Straße von Hormus bleibt faktisch geschlossen, sie wird von iranischer und von US-Seite für jeweils unterschiedliche Gruppen von Schiffen blockiert. Versuche der USA, einzelne Schiffe durch die Straße zu geleiten, wurden von iranischer Seite mit neuer Gewalt beantwortet. Die vereinbarte Waffenruhe ist daher brüchig, wodurch das Verhandlungsklima belastet wird.

Friedensverhandlungen werden fortgeführt und sind erfolgreich, Energiemarkt normalisiert sich allmählich.

Hauptszenario (65 % Eintrittswahrscheinlichkeit).

Wir behalten unser Hauptszenario eines regional und zeitlich begrenzten Militärkonflikts bei. Angesichts der fundamentalen ökonomischen Bedeutung der Region Persischer Golf ist der Druck auf die Konfliktparteien enorm hoch, zu Lösungen zu kommen. Die Gespräche zwischen den USA und Iran werden fortgeführt und bringen innerhalb einiger Wochen eine Lösung. Die Anzahl von Transporten durch die Straße von Hormus wird dann wieder deutlich ansteigen. Wegen der technischen und logistischen Schwierigkeiten bei der Wiederaufnahme von Produktion, Transport und Weiterverarbeitung von Rohöl dauert es allerdings bis weit in die zweite Jahreshälfte 2026, bis sich das Angebot am globalen Ölmarkt weitgehend normalisiert. Bei Erdgas wird die Rückkehr zur Normalität wegen der teilweisen Zerstörung einer großen Gasverflüssigungsanlage in Katar noch längere Zeit brauchen. Es dürfte bis ins kommende Jahr dauern, bis die Preise an den Energiemärkten eine nachhaltige Entspannung auf breiter Basis anzeigen. Dementsprechend fallen die Konjunkturprognosen für das Jahr 2026 für die USA, Europa und Asien niedriger, die Inflationsprognosen höher aus als vor dem Konflikt. Die Korrekturen bleiben jedoch moderat.

Scheitern der Friedensgespräche, Wiederaufnahme der kriegerischen Handlungen.

Negativszenario (25 % Eintrittswahrscheinlichkeit).

Im Negativszenario scheitern die Friedensverhandlungen, und es kommt zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Rohöl- und Erdgaspreise steigen auf neue Höchststände. Es gelingt auch im späteren Jahresverlauf 2026 keine Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Zudem führen größere Militärschläge Irans gegen die Öl- oder Gasförderkapazitäten der arabischen Nachbarn zu einer länger anhaltenden Einschränkung des Angebots von Erdöl, Erdgas und anderen Rohstoffen. In diesem Szenario haben Rohölpreise von deutlich über 150 US-Dollar pro Barrel über einen längeren Zeitraum gravierende konjunkturelle Folgen bis hin zu einer globalen Rezession. Insbesondere die Volkswirtschaften Europas und Asiens wären stark betroffen. 

Schnelle Normalisierung an den Energiemärkten.

Positivszenario (10 % Eintrittswahrscheinlichkeit).

Im Positivszenario erholt sich das Angebot an Rohöl, Erdgas und anderen Chemieprodukten aus dem Golf innerhalb kurzer Zeit, sodass es bereits in den ersten Wochen nach einer Friedenslösung zu einem Rückgang der Energiepreise auf das Vorkriegsniveau kommt. Die Kosten für die Weltwirtschaft fallen entsprechend geringer aus als im Hauptszenario. 

Kapitalmarktreaktionen.

Die Geschehnisse im Nahen Osten beeinflussen die Kapitalmärkte weiterhin wesentlich. Vor allem auf Nachrichten bezüglich der Straße von Hormus gibt es nennenswerte Kapitalmarktreaktionen, am stärksten bei den Energiepreisen. Alles in allem bleiben die Bewegungen aber außerhalb des Rohstoffsektors vergleichsweise moderat. Offensichtlich rechnen die Marktteilnehmer weiterhin mit einer zwar holprigen, aber schrittweisen Entschärfung des Konflikts. 

Fazit.

Die Situation im Nahen Osten bleibt sehr fragil, und die Unsicherheit ist groß. Insofern gehen wir weiterhin von überdurchschnittlich hohen Kursschwankungen an den Kapitalmärkten aus. Anlegerinnen und Anleger sind gut beraten, ihre Portfolios breit zu streuen und regelmäßig zu investieren, um potenziellen neuen Schocks möglichst gut begegnen zu können. Aus geopolitischen Ereignissen lassen sich systematisch keine Überrenditen erzielen. Nach dieser Devise haben die meisten Aktionärinnen und Aktionäre in den vergangenen Wochen auch gehandelt.

Aktuelle Markteinschätzung von Dr. Kater im Podcast.