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03.04.2025

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3 Min.

Zölle für die Welt

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Industriegüter könnten teuer werden. Nicht zuletzt auch für die US-Amerikaner selbst. Ein Zoll von 46 Prozent soll zum Beispiel für Sneaker aus Vietnam gelten. Aber was bedeuten die jüngsten Ankündigungen des US-Präsidenten für Weltwirtschaft und Märkte?

„Anders als zu Beginn der zweiten Amtszeit Donald Trumps von vielen Beobachtern erwartet, werden Zölle wohl doch dauerhaft ein Instrument der US-Wirtschaftspolitik bleiben“, bewertet Deka-Chefvolkwirt Ulrich Kater die jüngsten Ankündigungen von Basiszöllen und reziproken Zöllen gegenüber praktisch allen Handelspartner der USA. Auch wenn in den kommenden Tagen vielleicht wieder das ein oder andere zurückverhandelt werde, habe man es hier mit einem Kernstück der handelspolitischen Agenda der neuen US-Administration zu tun. Zum einen erhoffe sich die US-Regierung davon die Rückkehr der Produktion von Industriegütern in die USA, zum anderen versprechen Zölle dauerhafte Staatseinnahmen. Und die werden gebraucht, denn die Vereinigten Staaten haben ihre Verschuldungsmöglichkeiten bald ausgereizt. Nicht zu vergessen: Mit Zöllen kann der US-Präsident missliebige Länder zu allen möglichen politischen Forderungen unter Druck setzen.  

Wir erleben einen Umbau der Weltwirtschaft, keinen Abbau

Ulrich Kater, Deka-Chefvolkwirt 

Anfang der 2000er Jahre lag der durchschnittliche Außenzoll der USA bei etwa 4 Prozent, mit den jetzigen Ankündigungen marschiert er wieder auf die Marke von über 20 Prozent. Und je höher die Zolltarife aus den USA dauerhaft bleiben, desto stärker die Konsequenzen für die weltweiten Handelsbeziehungen. Sicher ist: Die Weltwirtschaft wird reagieren. Schon heute besteht sie aus großen integrierten Wirtschaftsräumen, wie etwa der Europäischen Union oder den ASEAN-Staaten. Das eröffnet den Unternehmen Ausweichspielräume. Europäische Unternehmen dürften sich in Produktion und Absatz weg von den USA hin zum Wirtschaftsraum vor der eigenen Haustür orientieren – ebenso wie asiatische Unternehmen sich auf die eigene Wirtschaftsregion konzentrieren.  

„Wir erleben einen Umbau der Weltwirtschaft, keinen Abbau. Große Wirtschaftsblöcke werden die internen Handels- und Produktionsprozesse intensivieren und für die Wirtschaftsbeziehungen untereinander bilaterale Handelsabkommen abschließen, wie es etwa jüngst zwischen der Europäischen Union und den Mercosurstaaten Südamerikas oder Australien geschehen ist“, so Kater. Für einzelne Unternehmen und Branchen sei das eine große Herausforderung, aber die Volkswirtschaften als Ganzes können das meistern. Für die Finanzmärkte dürfte dabei insbesondere die Phase des Umbaus mit Unsicherheiten und höherer Volatilität einhergehen. Das weltwirtschaftliche Wachstum, welches der Treibstoff für steigende Börsenkurse ist, werde aber auch in diesem Szenario nicht aufhören. „Wirklich problematisch für Konjunktur und Finanzmärkte wäre ein Handelskrieg, bei dem sich Protektionsmaßnahmen auch auf Felder außerhalb der Industrie ausdehnen, also auf Dienstleistungen, Kapitalverkehr, Daten oder Standards“, so der Deka-Chefvolkswirt.

Europäische Unternehmen werden den neuen US-Handelshemmnissen mit der Zeit immer besser ausweichen können

Joachim Schallmayer, Deka-Kapitalmarktexperte 

Deka-Kapitalmarktexperte Joachim Schallmayer rechnet kurzfristig mit weiterer Unruhe an den Märkten. „Jetzt sind Gegenmaßnahmen wahrscheinlich und diese Schlagzeilen werden in den kommenden Tagen dominieren. Das trägt zusätzlich zur Verunsicherung bei. Die Kurse dürften damit erstmal nur schwer zur Ruhe finden. Der US-Aktienmarkt befinde sich zwar schon seit Monaten in einer Korrekturbewegung, allerdings seien die Bewertungen mit einem KGV des S&P 500 Index von 20,5 und des Nasdaq mit 23,8 nach wie vor hoch. „Zu erwarten ist, dass die Risikoprämien für die USA dauerhaft leicht ansteigen, was den Bewertungen zusetzten dürfte und somit weiter auf den Kursen lastet. Hinzu kommt, dass sich die Märkte auch technisch an kritischen Marken befinden, was das Risiko für marktinduzierte Verkaufswellen erhöht. Somit ist insbesondere am US-Aktienmarkt weiter Zurückhaltung geboten“, so Schallmayer.  

Eine sich verstärkende Kurskorrektur sei dabei allerdings keine ausgemachte Sache. Zwar würden die Märkte unmittelbar nach den Ankündigungen versuchen, das ganze Ausmaß der reziproken Zölle einzupreisen, doch erst die sich anschließende Verhandlungsphase werde zeigen, ob die Zölle wirklich in der angekündigten Höhe in Kraft treten. Die Tür sei für bilaterale Verhandlungen bis 9. April ist offen. Je nach den Ergebnissen könne das die Korrektur begrenzen. Von dieser werden sich nach Ansicht Schallmayers auch die europäischen Märkte kurzfristig nicht abkoppeln können. „Allerdings dürften sie sich relativ besser entwickeln. Die binnenwirtschaftlichen Maßnahmen zur Stärkung der Konjunktur, etwa in Deutschland, stehen gegen die dämpfenden Effekte der Zollankündigungen aus den USA. Europäische Unternehmen werden den neuen US-Handelshemmnissen mit der Zeit immer besser ausweichen können.“ Die Aktienmärkte seien international unterinvestiert und die Bewertungen zuletzt zwar angestiegen, aber mit einem KGV für den DAX von 14,8 und dem Eurostoxx von 14,5 auf vernünftigen Niveaus. Daher werde die aktuelle Nachrichtenlage die internationalen Kapitalflüsse weiter in Richtung Europa lenken und die aktuelle Kurskorrektur begrenzen, vor allem aber eine zu erwartende Erholungsbewegung wirksam unterstützen. Für die europäischen Aktienmärkte rechnet Schallmayer daher nur mit einer nur kurzfristigen Korrektur, sieht den Aufwärtstrend aber weiter intakt.

Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Mark Schiefelbein

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