Zertifikate-Kolumne vom 28.09.2026.

ThyssenKrupp schmiedet sich neu.

Werbung. Manchmal reicht ein Geräusch, um ein Unternehmen vor Augen zu haben: das dumpfe Rollen eines Güterzugs, Metall auf Metall, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Rhein: ThyssenKrupp. Kaum ein deutscher Konzern steht so sehr für industrielle Wucht – und zugleich für die Frage, wie man aus alter Stärke eine neue Ordnung baut. Friedrich Krupp gründete 1811 in Essen eine Gussstahlfabrik, August Thyssen startete 1871 mit einem Bandeisenwalzwerk, und 1999 wurde aus zwei großen Industriegeschichten schließlich ein Konzern.

ThyssenKrupp war lange ein Gemischtwarenladen der Schwerindustrie – ein Konzern, in dem Stahl, Marine, Werkstoffe, Komponenten und Wasserstofftechnik nebeneinander standen wie Maschinen in einer riesigen Halle. Doch jetzt wird aufgeräumt. Nicht leise, nicht schmerzfrei, aber erkennbar konsequent. Aus dem traditionsreichen Industriekoloss soll Schritt für Schritt eine schlankere Finanzholding mit eigenständigeren Einheiten werden. Hier geht es nicht nur um Stahl, sondern um Struktur, Disziplin und Zukunftsfähigkeit. Und gerade deshalb lohnt sich mal wieder ein Blick…

Heute zählt das Unternehmen mit rund 100.000 Beschäftigten zu den größten diversifizierten Industriekonzernen Deutschlands und ist in den Bereichen Maschinenbau und Werkstoffe aktiv. Seit dem Verkauf des Aufzugsgeschäfts TK Elevator im Geschäftsjahr 2020 und der Ernennung von Miguel López zum Vorstandschef treibt der Konzern die Umwandlung in ein strategisches Holdingmodell voran, bei dem jeder der fünf Geschäftsbereiche einzeln kapitalmarktfähig gemacht wird.

Die jüngsten Zahlen zeigen: Thyssenkrupp kommt voran, auch wenn das Umfeld für Industrieunternehmen anspruchsvoll bleibt. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 stieg der Umsatz auf 8,8 Milliarden Euro, der Auftragseingang lag bei 7,7 Milliarden Euro, und der Gewinn aus dem laufenden Geschäft verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr. Wichtig ist dabei weniger die einzelne Zahl als die Richtung. Und die Umwandlung geht weiter.

Ein besonders sichtbarer Schritt ist TK Accelis, früher Materials Services. Die Aktionäre haben im August 2026 der Verselbstständigung zugestimmt. Daraus soll ein eigenständiger, börsennotierter Werkstoffhändler und Lieferkettendienstleister entstehen. Das klingt nüchtern, ist aber spannend: Denn TK Accelis verkauft nicht einfach Metall, sondern hilft Industriekunden dabei, Material zu beschaffen, zu bearbeiten, zu transportieren und Lieferketten digital besser zu steuern. In einer Welt, in der fehlende Teile ganze Produktionslinien ausbremsen können, ist das ein durchaus attraktives Geschäftsmodell.

Auch TKMS, die Marinesparte, gehört zu den stärkeren Kapiteln der aktuellen ThyssenKrupp-Erzählung. Das Unternehmen meldete für die ersten neun Monate 2025/2026 deutliches Wachstum und einen sehr hohen Auftragsbestand. Dahinter steht ein Markt, der durch geopolitische Spannungen und steigende Verteidigungsausgaben Rückenwind erhält. Für den Konzern ist TKMS damit ein technologisch anspruchsvoller Bereich mit langfristigen Projekten.

Beim Stahl bleibt der Weg anspruchsvoll, doch auch hier gibt es positive Signale. Der Verkauf der HKM-Beteiligung an Salzgitter bringt mehr Ordnung in die Stahlstruktur. Zugleich zeigt die Belieferung von BMW mit CO₂-reduziertem bluemint-Stahl ab 2026, dass Thyssenkrupp Steel beim grüneren Stahl konkrete Anwendungen in der Serienproduktion erreicht.

Viele Analysten beobachten die Umbaugeschichte. Ihrer Ansicht nach ist der Konzern dank seines Stahlengagements gut positioniert, um von einem protektionistischeren Handelsrahmen in Europa und deutschen Infrastrukturausgaben zu profitieren. Außerdem werten Sie den Umbau zur Holding als wichtigen Werttreiber, weil mehr Autonomie der Sparten Kapitaldisziplin und strategische Optionen verbessert. Ein möglicher Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an Steel Europe könnte zudem Pensionsverbindlichkeiten von rund 2,5 Milliarden Euro aus der Bilanz herauslösen.

Als Risiken nennen die Analysten vor allem ein mögliches Scheitern des Ausstiegs aus Steel Europe, eine Herabstufung der Gewinnprognose sowie ein anhaltend schwaches konjunkturelles Umfeld in Europa. Dazu passt, dass die Margen in den meisten Sparten noch unzureichend sind und die Pensionsverpflichtungen substanziell bleiben.

Unterm Strich ist ThyssenKrupp derzeit weniger ein fertiges Comeback als eine große industrielle Baustelle mit erkennbarem Plan. Die Chancen liegen in mehr Klarheit, starken Spezialgeschäften und der Verbindung aus Tradition und technischer Substanz. Anlegende können nun entscheiden, ob sie in die Aktie selbst investieren möchten oder die Umstrukturierung lieber mit einem hohen Risikopuffer und möglicher attraktiver Verzinsung begleiten wollen. Letzteres ginge zum Beispiel mit unserem neuen Express-Zertifikat auf ThyssenKrupp.

10,65 Prozent Zinsen pro Periode bei Behauptung der 55-Prozent-Barriere

Das DekaBank ThyssenKrupp Express-Zertifikat Memory mit Airbag 01/2033 (WKN DK1K97) bietet die Möglichkeit von 10,65 Prozent Zinsen pro Periode sowie einer vorzeitigen Rückzahlung zum Festbetrag von 1.000 Euro. Vorzeitig wird das Zertifikat zurückgezahlt, wenn der Schlusskurs der ThyssenKrupp-Aktie an einem der jährlichen Beobachtungstage (erste Beobachtungs- und auch Zinsperiode 15 Monate, danach jeweils 12 Monate) auf oder über der Tilgungsschwelle notiert. Die Tilgungsschwelle liegt am ersten Beobachtungstag im Januar 2028 bei 100 Prozent des Startwerts und sinkt in den Folgejahren jeweils um fünf Prozentpunkte bis auf 80 Prozent des Startwerts im Jahr 2032. Startwert ist der Schlusskurs am Ende der Zeichnungsfrist, am 19.10.2026.

Während die Tilgungsschwelle entscheidend für den Zeitpunkt der Rückzahlung ist, bestimmt die Barriere von 55 Prozent des Startwerts über die Zinszahlung. Der erzielbare Zinsbetrag wird automatisch überwiesen, wenn die Aktie am jeweiligen Beobachtungstag auf oder oberhalb der Barriere schließt. Die Memory-Funktion ermöglicht zudem, dass ausgefallene Zinszahlungen an den folgenden Beobachtungsterminen nachgeholt werden können, wenn die Barriere dann behauptet wird. Kommt es zu keiner vorzeitigen Rückzahlung und wird die Barriere am finalen Bewertungstag (14.01.2033) nicht unterschritten, erfolgt im Januar 2033 die Auszahlung des Festbetrags in Höhe von 1.000 Euro.
 
Anderenfalls drohen Verluste. Statt des Festbetrags wird Anlegenden in diesem Fall eine festgelegte Anzahl im Wert gesunkener ThyssenKrupp-Aktien übertragen. Die Airbag-Funktion definiert die Anzahl der Aktien (Referenzanzahl), diese ergibt sich auf Grundlage des Basispreises, der wie die Barriere ebenfalls bei 55 Prozent des Startwerts liegt. Zudem ist wie bei jedem Zertifikat das Emittentenrisiko zu beachten, weil insbesondere im Falle einer Zahlungsunfähigkeit der DekaBank Verluste bis hin zum Totalverlust des investierten Festbetrags drohen würden.

Die Zeichnung läuft vom 28.09.2026 bis 19.10.2026 (10 Uhr), vorbehaltlich einer Verlängerung oder Verkürzung der Zeichnungsfrist.

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Autorin: Charlotte Neugebauer, Leiterin Zertifikate & Produktvermarktung.



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